Jede fünfte Frau in der Schweiz erlebt gegen ihren Willen sexuelle Handlungen

Sexuelle Gewalt ist in der Schweiz viel verbreiteter als angenommen. Eine repräsentative Umfrage von gfs.bern, welche Amnesty International (AI) in Auftrag gegeben hat, liefert erstmals genauere Daten über das Ausmass sexueller Gewalt an Frauen in der Schweiz. Gemäss der Umfrage bei 4500 Frauen ab 16 Jahren hat mindestens jede fünfte Frau ungewollte sexuelle Handlungen erlebt. Mehr als jede zehnte Frau erlitt Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen. Mehr als die Hälfte aller befragten Frauen hat eine Belästigung in Form von unerwünschten Berührungen, Umarmungen oder Küssen erlebt. AI hat die Resultate am 22. Mai an einer Medienkonferenz publiziert und gleichzeitig eine nationale Kampagne gegen sexuelle Gewalt lanciert. Diese beinhaltet auch eine Petition an Justizministerin Karin Keller Sutter. Gefordert wird unter anderem eine Revision des Strafgesetzbuches, damit alle sexuellen Handlungen ohne Einverständnis strafbar sind. Der Grundsatz «keine sexuellen Handlungen ohne gegenseitige Einwilligung“ ist auch in der Istanbul-Konvention enthalten, die in der Schweiz am 1. April 2018 in Kraft getreten ist. SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz ist Mitglied des Netzwerks Istanbul-Konvention, das sich für die Durchsetzung der Rechtsgrundlage einsetzt.

 

Auch die parlamentarischen Gruppen KAIRO+ und die parlamentarische Gruppe für Menschenrechte werden das Thema sexuelle Gewalt an einer gemeinsamen Veranstaltung während der Sommersession behandeln. Im Zentrum der Veranstaltung am 19. Juni stehen Fragen zu einer möglichen Neudefinition von Vergewaltigung im Strafrecht, die auf dem Prinzip der Einwilligung beruht. Schweden hat im letzten Sommer diesen Schritt gemacht und das Strafgesetzbuch entsprechend angepasst. Am parlamentarischen Anlass wird die ehemalige Schwedische Staatsanwältin und amtierende Anwältin für Opfer sexueller Gewalt, Silvia Ingolfsdottir Åkermark,  über ihre Erfahrungen und die Auswirkungen der Gesetzesänderung in Schweden berichten. Die Juristin Nora Scheidegger, Expertin für das Schweizer Sexualstrafrecht, wird ihrerseits auf die aktuelle Problematik der Schweizer Gesetzgebung hinweisen.



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